Mein Buch und ich: Dritter Band der „Rocky Mountain Girls“ von Tina Wolff aus Helvesiek spielt in Island

2022-05-13 18:54:17 By : Ms. Sara Chang

Helvesiek – Tina Wolff hat im vergangenen Jahr viele Wochen lang die isländische Ringstraße bereist, ist oft in Montana gewesen und kurz in Australien – und hat doch ihr heimisches Refugium im Grünen nie verlassen. Ein Widerspruch? Mitnichten. Für ihren jüngst erschienenen Liebesroman „Meine Pferde, Montana & Du – Thorunns Weg in die neue Welt“, der wie die Vorgänger in den USA, in weiten Teilen aber auch in Island und mitunter in Australien spielt, hat die Helvesiekerin gut recherchiert – alles vom heimischen PC aus. „Reisen ist mir ein Gräuel.“

Warum ihr neuester Liebesroman, in dem es rund um die fiktive „Sweet Water Ranch“ wieder um Pferde, Abenteuer und viel Zwischenmenschliches geht, gerade in Island spielt? „Keine Ahnung – das hat sich so ergeben.“ Diesen Satz benutzt die schreibende Physiotherapeutin oft, wenn es um ihre Romane geht. Fest steht: Die Geschichte des Australiers Cody, im letzten Band eine Nebenfigur, war noch nicht auserzählt.

„Ihn zum Hauptdarsteller zu machen, geht in einer Serie mit dem Titel Rocky Mountain Girls natürlich gar nicht“, so die 48-Jährige. Auch wenn sie wie immer „drauflos“ schreibt, ohne Storyboard („Ich plane und plotte nicht, die Geschichten kommen zu mir“), macht sich die Poetry Slammerin viele Gedanken ums Schreiben. „Die Ich-Perspektive ist unbeliebt bei Lesern, die wollen nicht gezwungen werden, sich zu identifizieren.“ Auch im dritten Band baut sie eine zusätzliche Erzählebene ein; die Erlebnisse der Isländerin Thorunn, die das Erbe des Großvaters in den USA antritt, reflektiert diese in einem digitalen Buchclub.

Im wirklichen Leben spielen die Sozialen Medien – im Buch Fluch und Segen, Hilfsanker für eine Rettungsaktion und Demo-Auslöser zugleich – für Wolff eine gar nicht so große Rolle. Sicher: Die Buchverkäufe ihrer im Eigenverlag erschienen und vor allem als E-Books verkauften Bücher hängen stark von den Rezensionen von Bloggern und Rezensenten ab. Doch allzu präsent möchte Wolf als Person im Netz nicht sein, „die Kommentare dort kommen leicht auf eine schiefe Bahn“. Dass sie auf Amazon seit Einführung der Punktevergabe-Funktion auch mal eine schlechte Wertung kassiert, wurmt sie nicht: „Wenn es jemandem nicht gefällt, kann er das ruhig sagen.“

Wenn man öffentlich unterwegs sei, müsse man damit rechnen; „das können viele Jüngere nicht begreifen“. Dass die Sozialen Medien in ihren Erzählungen eine nicht unerhebliche Rolle spielen, ist ihrer Zielgruppe geschuldet: „Die Hauptprotagonistin ist Ende 20, da kann man das Handy nicht ausklammern, wenn die Person authentisch rüberkommen soll.“

Meine Liebesromane sind wie Schokolade: süß, lecker, für zwischendurch und leider viel zu schnell alle.

Ihre – vorwiegend weibliche – Stammleserschaft zwischen 12 und 80 dankt ihr das Wiedersehen mit dem Sweet-Water-Ranch-Kosmos mit seinen schrulligen, gern überzeichneten Charakteren. In der Überspitzung liegt für Wolff beim Schreiben der Reiz. In Reiseblogs und -gruppen sowie Youtube-Videos hat sie sich viel mit Länder-Stereotypen auseinandergesetzt – die einsilbige, verschlossene Isländerin auf überdrehte Amis treffen zu lassen, macht ihr einen Heidenspaß. Doch nicht nur die Menschen erleben im dritten Band der Reihe einen Kulturschock, etwa bei der „Stinky Fish Challenge“. Sondern auch die tierischen Helden: Dass Islandpferde angesichts der großen Bäume in den USA einen Kulturschock bekommen, ist nicht ausgedacht. Als die gelernte Schauspielerin in Verden als Wiedereinsteigerin Reitunterricht auf einem Gestüt nahm, das Isländer importierte, war sie fasziniert: „Anfangs sind sie staunend an jeder Eiche stehen geblieben, raschelnde Blätter waren eine Reizüberflutung.“

Die Charaktere ihrer modernen Märchen zeichnet Wolff nicht vielschichtig, und das mit Kalkül: „Dann ist mehr Raum für Handlung – und letztlich geht es um Entertainment.“ Ihre Liebesromane seien „wie Schokolade: süß, lecker, für zwischendurch und leider viel zu schnell alle“. „Ich schreibe die Bücher, die ich gern lesen würde“ – sagt eine, die selbst höchstens mal ein Kinderbuch liest: „Da weiß ich, wie es ausgeht, das ist eine Art Augenmassage.“ Das heißt beileibe nicht, dass Wolff nicht hohe Ansprüche an sich stellen würde – da wandern schon mal 150 Seiten in den Müll, „wenn es einfach nicht gut war“. Auch deshalb hat ihr jüngster Roman eineinhalb Jahre gedauert. Stress macht sie sich nicht mehr: „Wenn ich früher bei der Arbeit eine gute Idee hatte, hatte ich Angst, sie zu vergessen. Heute weiß ich: Irgendwann kommt die nächste!“

Gesellschaftskritik übt Wolff nur subtil: So bilden die Ausbeutung von Naturressourcen, die Arbeitsbedingungen für Tierärzte oder die Auswüchse von Massentourismus nur den Hintergrund der Handlung. „Ich will keinen erhobenen Zeigefinger“, betont Wolff, die „ihrem“ Genre treu bleiben will. Fantasie oder historische Romane reizen sie nicht: „Da müsste ich viel zu viel recherchieren. Ich schreibe lieber, wovon ich Ahnung habe“, meint die ehemalige Pferde-Physiotherapeutin, die zurückgezogen mit vier Ponys und zwei Hunden wohnt. Und damit erobert sie sich eine stetig wachsende Fanbase. Signierwünsche muss sie schon ablehnen; „der Aufwand wäre einfach zu groß“. Treue Fans bekamen das jüngste Werk selbst als Hörbuch eingelesen – ein Projekt, das vielleicht später einmal auf breitere Füße gestellt wird. Doch vorerst ist dazu keine Zeit: Schon spukt Band vier in ihrem Kopf herum. „Anfang und Ende habe ich schon im Kopf, dazwischen lasse ich mich von meinen Protagonisten überraschen.“ Angst, dass sich das „Pferderanch“-Universum irgendwann stofflich erledigt hat, hat die Autorin übrigens nicht; außerdem wolle irgendwann auch die Geschichte ihres ersten Buchs, das in Norddeutschland spielt, weitererzählt werden.